Individuelles Mehrwegsystem
Individuelle Mehrwegsysteme vom Experten
6. Juni 2018
 

Verbote als letzter Ausweg? Wenn in einer vermeintlich hoch industrialisierten Gesellschaft wie Europa, Verbote die Versäumnisse vergangener Jahrzehnte wettmachen müssen, ist das keineswegs ein Grund für Schaumweinfeste. Denn das einzige was dieser „Aufschrei“ aus Brüssel sichtbar macht, ist das flächendeckende Missverständnis für umweltrelevante Themen und Herausforderungen.

Die Krone setzen dem Ganzen jene weiße Ritter der Wegwerf-Industrie auf, die sich tapfer den Medien stellen. Gänzlich Unrecht haben sie nicht, wenn sie durch die PLA-Blume hindurch hinauströten, dass man ihnen jetzt urplötzlich den schwarzen Peter zuschieben möchte – das hätte schon vor Jahren geschehen müssen. Ist doch bei vielen dieser Anbieter das Produktportfolio eine Gratwanderung zwischen „kompostierbar“, „biologisch-abbaubar“ und „verbrauchertäuschend“. Die eigene unternehmerische Existenz zu retten ist verständlich und per se richtig. Ein solches Verbot ins Lächerliche zu ziehen, „da 90% des Plastikmülls in den Ozeanen ja schließlich aus Südasien und Afrika kommen“, das ist allerdings sehr peinlich.

Denn, wer bei der aktuellen Debatte um Einweg vs. Mehrweg seine Argumentation lediglich um Zahlen herum aufbaut, der irrt. Und zwar nicht nur, weil sich zu sämtlichen Studienergebnisse entsprechend gegensätzliche Zahlen finden lassen. Nein, derjenige irrt auch deshalb, weil sich die Wegwerfdebatte um unsere Haltung dreht. Wenn wir es nicht schaffen, uns vom achtlosen Konsumieren und Wegwerfen zu lösen, brauchen wir uns zukünftig auch nicht über Dieselverbote oder ähnlichem brüskieren. Es geht hier nicht darum abzuwägen, was das schlimmere Übel ist. Bei einem versifften Stadtbild mit überlaufenden Mülleimern, nachgebauten Alpenreihen aus Wegwerfbechern an der Autobahnauffahrt, und Plastiktüten, die sich in Baumwipfeln verfangen, wird sich kaum ein Mensch aufrichtig über zu viele Stickoxide beschweren.

An Politik und Industrie haben wir stets die höchsten Ansprüche. Schließlich verdienen die ja alle Millionen und Milliarden damit. Sollen die doch Lösungen finden und alles. Solange die Buche bei mir vorm Haus nicht ganzjährlich wie ein Markenbotschafter sämtlicher Müllbeutelhersteller aussieht, ärgere ich mich lieber darüber, dass der Amerikaner wieder was freches getwittert hat.

Ganz so funktioniert das natürlich nicht. Würden sich die Unternehmen beim Umweltschutz wie der Taube vom Blinden vorlesen lassen und sich dem Aktionismus hingeben, dürften die Folgen gravierend sein. Tatsächlich wird die Industrie dem Anspruch hier eher gerecht, als viele Städte. Statt einfach draufloszulegen, wägen sie langfristige Konsequenzen und die Umsetzbarkeit umweltfreundlicher Umstellungen eher ab. Denn damit Nachhaltigkeit kein Modewort bleibt, müssen die Lösungen in sich auch langfristig wirtschaftlich sein. Natürlich gibt es auch hier ein paar Schummler, die oberflächliche Umweltfreundlichkeit ausschließlich zu Imagezwecken vorgaukeln. Macht aber nichts, denn auch leere Dosen machen letztlich Lärm.

Und wer jetzt sofort wieder den abgenutzten Lichtschalter zum Widerstandslämpchen sucht, weil Mehrweglösungen ja nicht umsetzbar und zu teuer sind, dem sei an dieser Stelle geraten zweimal tief durchzuatmen. Wir wissen, dass die Frage ob Mehrweg oder Einweg in vielen Fällen noch eine sehr individuelle ist. Wir wissen aber auch, dass sich Mehrweglösungen in sehr vielen Szenarien auszahlen. Und das im wahrsten Sinne des Wortes, denn ein kluges und wirtschaftlich, als auch ökologisch nachhaltiges Mehrwegsystem ist in der Lage sich selbst zu finanzieren.
 

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